ARNZ Rost 3D -min

Man kann sich das vielleicht so vorstellen: Irgendwo oben in der Cloud oder tief unter der Erde in einem verborgenen Keller, ist – ganz geheimnisvoll – ein Schrank mit vielen Laden eingerichtet. Von A bis Z. Hunderte Schubfächer. Und auf jedem steht der Name einer Musikrichtung. A wie Alternativ. Oder J wie Jazz. P wie Pop, S wie Schlager. Natürlich gibt es auch Rock oder HipHop und hunderte andere. Und in jede dieser Schubladen wird von wohlmeinenden Fachleuten ein Künstler gesteckt, kaum dass er die ersten Töne öffentlich gesungen hat.

Die meisten nehmen dieses Schubladendenken dankbar hin. Hauptsache, man steckt irgendwo drin. Und für die anderen da draussen, ist es ganz bequem einfach nur einen Namen aus der Lade ziehen zu können, ohne viel erklären zu müssen.

Aber manchmal crasht einer diese Ordnung. Bob ARNZ ist so einer. Zeit seiner Karriere pflegt er den Grenzgang, wehrt sich dagegen, in musikalische Schubladen gesteckt zu werden und damit vermeintlich nur einen engen kreativen Raum zur Verfügung zu haben. Schranken und Zäune, das ist nichts für den Sänger, Songwriter, Produzenten, Manager und…und…und. Die Balken werden einfach weggeräumt, die Zäune durchschnitten, die Schubladen gesprengt. Das ist keine Absage an ein Genre, es ist vielmehr die Neugierde, das Abenteuer, der Forscherdrang zwischen Dur und Moll. Er möchte nicht auf eins verzichten, um das andere zu probieren. Damit schafft er für seine Band ARNZ einen neuen Sound mit eingängigen, reifen Texten, die sich mit erwachsenen Problemen – manchmal durchaus ironisch – auseinandersetzen.

Um Bob ein wenig besser kennen zu lernen, müssen wir mehr als ein halbes Jahrhundert zurückblättern. Wir schreiben jetzt das Jahr 1967. Der Vater des kleinen Bob ist der legendäre TV-Regisseur Alexander „Sascha“ Arnz („Wetten, dass…“). Und für Bob werden die Studios, in denen sein Vater den Ton angibt, zur Spielwiese. Die merkwürdigen Onkels, die damals auf der Bühne herumwirbelten und ihm nach Drehschluss die Welt erklären wollten, hießen Howard Carpendale oder Roberto Blanco oder Bill Ramsey. Bei Peter Frankenfeld brachte er eine Styroporkulisse zum Einsturz, weil er mit fünf Jahren einfach immer wieder gegen die Säulen der Akropolisbühne trat. Aber seine wahre Berufung ist die Musik. Neben gewissen täglichen Stunden von Beugehaft (auch Schule genannt), fing er mit Dreizehn an das Schlagzeug zu malträtieren.. Es kam, wie es kommen musste, mit Fünfzehn. dann die erste eigene Band. Die frühen Neigungen gingen zum Harten. Nix „Hallo Again“ oder „Ein bisschen Spaß muß sein“, mehr Gitarrenriffs und Drum-Soli, mehr Metal und Rock. Mit Achtzehn ist er die Schule los und hauptberuflich Drummer bei einer Hardrock-Band. Aber Bob will beide Seiten der Medaille kennen lernen, deshalb heuert er als A&R bei der damals noch riesengroßen Plattencompany EMI an.“In dieser Zeit“, sagt er, „habe ich mitbekommen, was in der Musikindustrie wichtig ist, um erfolgreich zu sein. Achtzig Prozent Glück, zehn Prozent Talent.“ Was die restlichen zehn Prozent ausmacht, sagt er nicht, weil er diese feinen Gewürze für sich selbst nutzen wird, wenn er jetzt sein erstes Album als Mastermind und Band-Boss auf den Markt bringt.

Ach ja. Zwischen damals bei der EMI und heute liegen noch gut 25 Jahre eines beinahe Film reifen Lebens, dessen Drehbuch die Musik mitschrieb. Frauen und ein wildbewegtes Dasein, inklusive pompöse Villen und bombastische Scheidungen, kosteten Geld. Also setzte der Rocker, nicht mehr ganz so taufrisch, aber von finanziellen Nöten geplagt, sein Talent anderswo ein und schrieb und produzierte Musik für die Konserve: Die Hits, die einher gingen mit der legendären TV-Serie „Big Brother“ von Zlatko, Jürgen und allen anderen, kamen aus seiner Feder. Hundertausende Alben und vier Millionen Singles waren der Lohn. Die Älteren von uns erinnern sich noch an die sagenhafte Karriere einer jungen Dame namens LaFee (damals eine schnuckelige Mischung aus Helene Fischer und Taylor Swift im Teenageralter), die mit ihren ersten beiden Alben gleich Gold und Platin kassierte und auf #1 der Charts sprang. Wer war der Mastermind? Klar, Bob Arnz.

Ein Mann geht seinen Weg. Bis ganz nach oben.

Wer die Drehbücher, die das Leben schreibt, kennt, weiß, jetzt kommt die Sequenz „Tiefpunkt“. Protagonist verbrennt Kohle, scheint unverwundbar, investiert wie verrückt. Ja, tatsächlich. In Projekte ohne Zukunft, in Anwälte, in falsche Freunde. Pufff. Das schöne Leben implodiert. Aber wer die Drehbücher, die das Leben schreibt, kennt, weiß, wenn der Protagonist ganz unten ist, macht er endlich selbst das Licht am Ende des Tunnels an. „Über allem stand damals die Frage: Wars das jetzt? Bis ich mich daran erinnert habe, warum ich im Teenageralter mit Musik angefangen habe. Ich habe mir gesagt : Jetzt machst du nur noch die Musik, die du persönlich gut findest! Keine Songs und Produktionen mehr für Plattenfirmen, Fernsehsendungen, andere Künstler – jetzt machst du wieder Musik und Texte nur für dich! Und dadurch habe ich die Liebe zur Musik wiedergefunden. Und nicht nur das – ich bin heute glücklicher und zufriedener als ich in den letzten 20 Jahren (auch den erfolgreichen) war. Ich habe endlich mit Mitte 50 gelernt: Ich brauche keine Goldenen Platten, keine Echos, keine Villen, keine dicken Autos oder sonstige materielle Drogen um meine Glück zu finden.“

Das erste Album ist fertig. Das, was ehemals andere Künstler berühmt gemacht hat, die Kompositionen, die Produktionen, die coolen Riffs und einprägsamen Refrains, nutzt Bob jetzt für für seine Band ARNZ, die er mit zwei alten Kumpels, den Profimusikern Klaus Hochhäuser und Jimmy Klimsop (die schon bei Joe Cocker oder Anastasia ihre Kunst beweisen konnten) gegründet hat.

„Wir machen Songs für meine Generation.“ Rock für Erwachsene. Da grüßen ZZ Top und Garry Moore. Aber auch Wolle Petry guckt vorbei oder Grönemeyer, denn die Texte sind auf deutsch, der ARNZ klingt so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Die reifen Rocker. ARNZ gibt musikalisch der Generation Ü40 eine Stimme. „Wir sind doch die Generation, die auch noch ohne Internet und Google–Angeboten glücklich war. Und wir sind noch verdammt viele, wir stehen mitten im Leben! Meine Traum ist, dass ARNZ der älteste, aber erfolgreichste Newcomer Deutschlands wird und anderen in meiner Generation Mut gibt, immer wieder neu anzufangen und sich nicht den Härten des Lebens (die wir alle früher oder später erleben) zu ergeben! Es ist noch lange nicht vorbei“